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and the dozen plus HANDKE-SCRIPTMANIA sites. I welcome thoughtful critical comments on literary matters and especially for the Handke-Yugo blog. Michael Roloff, June 2010, Seattle.

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IS THE OVER-ARCHING SITE FOR ALL HANDKE BLOGS AND ALL HANDKE.SCRIPTMANIA.COM SITES, THAT IS FOR THE HANDKE PROJECT AS A WHOLE. It will have one page with links to every page on each blog and for each page on each handke.scriptmania site. Michael Roloff

Saturday, March 26, 2016

MOSTBELOVED PRIZE CHILD BABY PETER HANDKE!

Follow summapolitico on TwitterThe latest prize is the Würth-Preis für Europäische Literatur, this entry will, over the course of time, account for most of these prizes and how Handke handled them, going back to the days of the Büchner, via Kafka, Serbian prizes,  Muehlheim, Ibsen...to what ought to be the prize of prizes for WORK that truluy DESERVES this so that it can be perpetuated and have world wide influence.
http://www.handke-nobel.scriptmania.com/

http://www.swp.de/ulm/nachrichten/kultur/Einkehr-des-Sanftwuetigen;art4308,3753720 provides the fullest account, from which we can gather how much we missed. 


Einkehr des Sanftwütigen

Der Würth-Preis für Europäische Literatur geht an Persönlichkeiten, deren Leben und Werk europäische Kulturtradition widerspiegeln. In diesem Jahr war das der Schriftsteller Peter Handke.
WILHELM TRIEBOLD | 
Immer noch Sturm? Seit er im Balkan-Konflikt Partei für die Serben ergriff und vor zehn Jahren sogar zu Milosevics Beerdigung anreiste, umweht den Schriftsteller Peter Handke heftiger Gegenwind. Kaum wurden ihm wegen seiner literarischen Verdienste Auszeichnungen zugesprochen, geriet das prompt zum Politikum. Zum Beispiel der noble Heine-Preis: Erschrocken vollzogen die Düsseldorfer Stadträte die Rolle rückwärts. Oder der Mindener Candide-Preis: Plötzlich legte sich der Sponsor quer. Und als Handke in Oslo den hochdotierten Ibsen-Preis entgegennehmen wollte, wurde er von Demonstranten ausgebuht, obwohl er einen Teil des Preisgeldes für Kinder in Serbien reservierte - und den Rest verärgert zurückgab.
Es ging offenbar, bei all diesen Literaturpreis-Volten, nicht mehr um Literatur, sondern um Haltung. Handke schien zum politisch bestenfalls naiven Paria zu taugen, der sich doch lieber in den Elfenbeinturm des Dichters zurückziehen sollte. Es war mitunter unwürdiges Theater, dass sich da abspielte.
Wie schön, dass nun eine reibungslose, teilweise sogar heiter-entspannte Preisübergabe zu vermelden ist. Der mit 25.000 Euro dotierte Würth-Preis dürfte die bedeutendste Auszeichnung für "Europäische Literatur" sein, jedenfalls in Deutschland. Alle zwei Jahre wird er verliehen, seit ihn 1998 Hermann Lenz bekam. Die Laudatio hielt damals Peter Handke. Der verkündete zwar ein paar Jahre später, er wolle "grundsätzlich keine Preise mehr annehmen". Aber welcher Autor, der viel von sich hält, würde sich nicht doch über grundsätzliche Wertschätzung freuen? Zumal im Namen Europas.
So war es jetzt in der Stuttgarter Liederhalle die baden-württembergische Wissenschaftsministerin, die das Loblied auf die Vielfalt und Gemeinsamkeiten der europäischen Kultur sang. Theresia Bauer wünschte sich außerdem, dass Künstler und Wissenschaftler ihrer Verantwortung als Vorbilder nachkämen, um öffentlich für die europäische Idee einzutreten und klar Stellung zu beziehen. Da war er wieder, der politische Zungenschlag, zugunsten der sich direkt einmischenden Literatur. Dabei bekam Handke den Preis des Künzelsauer Schrauben-Multis in erster Linie für seine Abkehr oder besser Einkehr zugesprochen, wie sie durch die zurückliegenden Schaffensjahre verbrieft ist. Oder, wie die Jury begründete, durch das verfeinerte Lebensprinzip, "sich selbst beim Weltbeobachten" wahrzunehmen.
Das könnte man, unbedachtsam, auch Eskapismus nennen. Sigrid Löffler nennt es einen "entschlossenen Willen zur Weltfremdheit". Die Literaturkritikerin beendete nun als Sprecherin des Würth-Auswahlgremiums gleich mal jeden Anflug neuerlicher Debatten. Seine Gegner, so Löffler listig, sollten endlich anerkennen, "dass Handke als sein eigener Widersacher sie jederzeit überbietet". Spätestens mit seinem gerade in Wien uraufgeführten Schauspiel "Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße" habe sich der Autor vom "Jugoslawien-Komplex" verabschiedet und aus jenem Abseits befreit. "Ein Sanftwütiger rechnet ab mit der eigenen Sanftwut."
Und Handke selbst? Wirkte abgeklärt und beinahe hocherfreut inmitten dieser ganz und gar nicht feindseligen Umgebung, in der ihm alle gerecht werden wollten. Gerade auch der eigentliche Laudator des Abends. Nicht einer der sonst üblichen Wort- und Werkbetrachter aus zumeist literaturwissenschaftlicher Fach-Ecke. Sondern diesmal einer, der mit Handkes Sprache auch umgehen muss. Und zwar dort, wo sie wohl am verletzlichsten erscheint - auf der Bühne: der Schauspieler Jens Harzer. Richtig zu fassen bekam der das Idol allerdings nicht.
Das trat danach milde-ironisch ans Rednerpult: "Jesus hat gesagt, fürchtet euch nicht, ich bin da." Handke glaubte, nach der Laudatio "jetzt Angst vor mir selbst" haben zu müssen. "Ich bin aber kein Stiefsohn von Beckett." Eher sieht er sich in der Nähe eines Tolstoj oder Faulkner: "Ich bin ein epischer Mensch." Und er werde "den Traum und die Kraft, universal zu sein", weiter erfüllen.
Der 73-jährige Handke, Österreicher mit slowenisch-kärntnerischen Wurzeln, seit langem in Frankreich lebend, ist eigentlich der ideale Kontinentaleuropäer, sollte man annehmen. "Europa kann nicht sterben", entgegnete er dem französischen Ex-Premier Michel Rocard, der es gerade erst im "Parisien" für tot erklärt hat. Aber es hapert in Europa schon. So beklagte Handke, beim Metier des Übersetzens würde "der Atem und die Neugier der Völker" nicht über die Grenzen langen. Es gebe da keinen natürlichen Austausch.
Aus dem Kopf zitiert er einige Zeilen des verschrobenen Dichters Christian Wagner herbei, der hier ganz in der Nähe in Warmbronn zuhause war: "Dein die Himmel selbst und selbst die Sterne/ Wenn du Glanz hast für den Glanz der Ferne." Vielleicht, findet Handke, wäre das ja ein Anstoß für europäische Literaturpreise. "Dann sollte man diesen Preis in Künzelsauer Fernen-Preis umbenennen."

Journal der Jahre 2007 bis 2015

Notate Gerade erschienen sind im Salzburger Verlag Jung und Jung Peter Handkes Tagebuchnotizen "Vor der Baumschattenwand nachts - Zeichen und Anflüge von der Peripherie 2007-2015" (424 Seiten, mit 80 farbigen Illustrationen des Autors, 28 Euro). Es ist die vorläufig letzte Etappe der Handke-Journale über bald vier Jahrzehnte, die diesmal das Gewicht der Welt etwas leichter zu nehmen scheint. Es fehlen jetzt nur noch die Jahre 1991 bis 2006. Und diese Tagebuchnotizen hat der 1943 in Griffen geborene österreichische Schriftsteller bereits dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach übergeben.


Stuttgart/Künzelsau. Der österreichische Autor Peter Handke ist gestern mit dem 10. Würth-Preis für Europäische Literatur ausgezeichnet worden. Die Preisverleihung fand im Hegelsaal der Stuttgarter Liederhalle statt. Für die Jury, bestehend aus dem Vorsitzenden Harald Unkelbach, Sigrid Löffler, Anna Maria Carpi, Lars Gustafsson, Harald Hartung, Jürgen Wertheimer und Péter Nádas ist er längst ein „Klassiker der Gegenwartsliteratur“.
Peter Handke, geboren1942 in Griffen (Kärnten), reflektiert in seinem Werk seine grenzüberschreitenden Kulturerfahrungen und wurde für sein Schaffen als Epiker, Dramatiker, Dichter, Essayist und Übersetzer bereits mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. Die Formenvielfalt, die Themenwechsel, die Verwendung unterschiedlichster Gattungen erklärte er 2007 mit den Worten: „Ein Künstler ist nur dann ein exemplarischer Mensch, wenn man an seinen Werken erkennen kann, wie das Leben verläuft. Er muss durch drei, vier, zeitweise qualvolle Verwandlungen gehen.“
Der mit 25.000 Euro dotierte Würth-Preis für Europäische Literatur würdigt literarische Bemühungen um die kulturelle Vielfalt Europas und wird alle zwei Jahre vergeben. Er wird vor allem an Persönlichkeiten verliehen, die im Schnittpunkt unterschiedlicher Kulturen arbeiten, die sich mit europäischen Kulturtraditionen auseinandersetzen oder sich Problemen widmen, die in ihrem Land erst durch europäische Einflüsse entstanden sind. Ausgezeichnet werden also Autorinnen und Autoren, deren Werk und Leben Reflex dieser besonderen Kulturerfahrungen sind. „All dies trifft auf Peter Handke in besonderem Maße zu“, so die Jury.

Preisträger Peter Handke mit Harald Unkelbach, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Würth.
Foto: Würth
Jens Harzer, Schauspieler und Autor, betonte in seiner Laudatio, wie tiefgründig und melancholische die Werke von Handke anmuten. „Immer wieder, Buch für Buch ist das Allein-sein-müssen, die Verlassenheit das Zentrum, in das Handke seine Figuren zerrt. Und in welches sich die Helden selber zerren.“ Harzer selbst fühlt sich mit der literarischen Welt Handkes sehr verbunden. „Vieles was ich las, wurde zu meinem eigenen, oder besser gesagt: sollte auch zu meinem eigenen werden“.
Handke spricht sich in seiner Danksagung für eine geeinte Europäische Union aus und betont: „Europa kann nichts ersetzen“.
Die literarische Gattung spielt bei der Preisverleihung des Würth-Preises für Europäische Literatur keine Rolle. Die Jurymitglieder gehören als Literatur- und Kulturvermittler verschiedensten Sparten an. Theresia Bauer, Landesministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg, lobte Würth bei der Preisverleihung für das kraftvolle, nachdrückliche und verlässliche Engagement für Kultur. So trage der Preis dazu bei, europäische Identität und Bürgerbewusstsein zu stiften.

Wednesday, March 23, 2016

Peter-Handke-RECEPTIOIN in German

Follow summapolitico on TwitterPeter Handke and His Reception in the German-speaking world/ Über die Peter-Handke-Rezeption im deutschen Sprachraum


Peter Handke and His Reception in the German-speaking world/ Über die Peter-Handke-Rezeption im deutschen Sprachraum


ELit
Peter Handke and His Reception in the English-speaking world             coming soon
Peter Handke and His Reception in the French-speaking world              coming soon
Peter Handke and His Reception in the Former Yugoslavia world           coming soon

Idiocy and the Audience
First, somebody has to match his record: Peter Handke has been in the spotlight of German-speaking literary criticism for fifty years. For every book, every play and every interview, even. That’s amazing considering that Handke never attempted to form alliances even just with sections of the audience that are aware of him. He was never a spokesperson, a poster figure, never a master of public speaking, of quips and witticisms. For all the clarity of the language there is something remote about his texts, something searching and never entirely anchored in the present. If he once comments on political events, which he did mostly in the 1990s in view of the Balkan wars, he spreads confusion, misunderstandings, reacts offended and gives offence. It seems as though the writer and audience were talking different languages. Yet, initially, while Handke doesn’t even attempt to become more comprehensible – in other words, to take a step closer to the public – this audience (primarily represented by the media) tenaciously doesn’t turn away from him. Instead, they constantly try to adapt to his unpredictability. Put another way: every review of a Handke book, every critique of one of his plays, every interview with him resembles intent to understand. One might venture even that it is not the writer courting the love of critique, but the critics wanting to create and confer with the love of the writer. And they will never attain it. That’s what you call ‘lust and pain’. And this is how both grow older together.
Editors and publishers naturally have a closer relationship with the writer than critics. The stories of literary commercial relationships with Peter Handke are associated with pain, humiliation and human disappointment – Siegfried Unseld, Raimund Fellinger and Jochen Jung can tell a thing or two about this. In Jochen Jung’s recently published book, Zwischen Ohlsdorf und Chaville, he described this ‘lust and pain’ in dealing with Peter Handke that can be released from the working relationship and be superimposed on the story of the relationship between writer and audience. With regard to Jung’s observation that the educated classes, who are not exactly held in high esteem by Handke, are still the ones buying and reading his books, Handke became enraged that he, Jung, was a parasite, a speck of dust, a beneficiary, a tick. Firstly, Jung wrote, this affected him, and later he interpreted Handke’s outburst of rage as a rebuke. That is, the offended party accepted the insult and ultimately legitimized this. Thus, initially, it seemed fair to him and secondly it can be interpreted as a form of proof of esteem. A reprimand is not given if one is indifferent to that person or they are hateful.
The imploring and withdrawing of esteem are constant elements of the Handke reception in the German-speaking context – one has to say this with pathos. When as yet the virtually unknown young writer performed in 1967 before the older grandees of the Group 74 in Princeton – and they genuinely didn’t lack vanity and self-assurance – this resulted for some of them in a courtship sequence. Milo Dor has reported all this. Handke’s early plays, starting with Publikumsbeschimpfung (“Offending the Audience”) were form and language experiments, though more than this, they inverted the power relationship between writer and audience. The writer declared to his audience: I don’t accept you, or I accept you on my terms. And the audience played along – yet here one echoes Jochen Jung: this is an educated middle class, urban audience. This is an audience that, like in a flirtation, can get involved in a role reversal that, at least momentarily, eagerly surrenders to the writer’s moods. For all the self-staging as a simple fellow countryman, walker and mushroom collector, Handke has never been a writer for a wide audience who might have gained resonance with his writing across all social classes. Where he likes to position himself, among the simple people, he is a stranger because they exist as little as the Neunte Land (“Ninth Country”), this southern Slavonic place of yearning, which was repeatedly conjured up in his writing, and where he would gladly have his roots (although it definitely doesn’t exist). Here, Handke is the victim of an unrequited love because the myth does not respond. It is no use wanting to make oneself receptive as an idiot for the lower layers of reality – a reality that is overwritten multiple times by counterfeiters and swindlers from politics and the media. In Handke’s writing the idiot is the contrast to the normal, that is, standardized individual. He sees and hears what others no (longer) see and hear. The feeling of having to become an idiot to be able to sense the joys of childhood again, as one diary entry reads. This repeatedly expressed retreat to the position of the idiot, who cannot actually act politically, because he doesn’t take note of politics as a superficial phenomenon, is probably the rupture point between him and the audience. The idiot intends to fuse with the myth, yet this undertaking is verging on Don Quixote style – and causes the incomprehension, mainly with respect to his politically misunderstood treatment of Serbia, which he was shown by the media, predominantly the German media. Idiocy, even in Handke’s sense, is no objective category. The idiot is right because he is entitled to his truth. He must not defend it. This doesn’t fit so easily with the Protestant ethic, which is why the critique of Handke in Germany is not comparable to that in Catholic Austria where the dreamer is not denied his entitlement to his dream.
Handke’s Gerechtigkeit für Serbien (“Justice for Serbia”, 1996) and his subsequent texts and public addresses were alleged in Germany to have a political line of attack that they simply didn’t possess. Handke’s Serbia was never the country of post-Communist nationalists in the entourage of Slobodan Milošević. Similarly, Yugoslavia as the “Ninth Country” had little to do with the structure of states collectively formed, and probably also forcibly so under Tito. Serbia and Yugoslavia are no national entities for him; they are myths that the idiot interprets as a paradise background. It is as if the adult would like to return to the mother’s body. In Austria this also seems to be better understood than in Germany. For some people this questionable, though intrinsically sacrosanct attitude at the time of NATO’s attacks on Serbia and a media-induced and politically largely and evidently indirect perpetrator-victim theory made a pariah out of Handke. At least in Germany. In view of his literary support for Serbia and his refusal to understand Serbia as a synonym for a politically acting elite, the media failed across the board, since suddenly and without reason they degraded the writer to a political commentator. Now Handke was no longer merely a case for literary criticism, but for the editors-in-chief, star columnists and a continuing line of politicians of all persuasions who depending on the degree of indignation made out of Handke a fervent nationalist, an ignorant total fool, an aging agitator, an apologist for dictators and even a Holocaust denier. And as is customary for him, Handke did not allow himself to be deterred from his entitlement to be right.
Back in the 1990s it seemed as if the German public had read enough of the writer. As a matter of fact one wondered how he was going to be published again, how he could even release a single text without reaping any malice. Handke did nothing to patch up the rupture. Slightly aggrieved, he certainly announced that in future he would be avoiding public appearances, yet then things turned out differently. He wrote and published more than ever before; he received prizes and honorary doctorates were awarded. He allowed the hated media to approach him. He turned seventy and he was celebrated. It was the public that approached him, journalists, politicians and commentators who continued to allow his rebukes, if necessary. It is slightly reminiscent of a long marriage. Every quarrel is the end; every end brings reconciliation because one prefers to avoid looking beyond the end. In 2007, Handke wrote Hinaus böse Geister (“Evil spirits out”) in a spirit of reconciliation and once again with persistence. Leave language once and for all. Let’s learn the art of the question. Let’s make a trip to the sonorous land, in the name of Yugoslavia, in the name of another Europe. Long live the other Europe! Long live Yugoslavia! Who would want to contradict that?
Translated by Suzanne Kirkbright
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ELit
Über die Peter-Handke-Rezeption im englischen Sprachraum                            coming soon
Über die Peter-Handke-Rezeption im französischen Sprachraum                       coming soon
Über die Peter-Handke-Rezeption im ehemals jugoslawischen Raum                 coming soon
Idiotie und Öffentlichkeit
Das muss ihm erst einmal jemand nachmachen: seit fünfzig Jahren hält sich Peter Handke im Fokus der deutschsprachigen Literaturkritik. Und zwar mit jedem Buch, mit jedem Stück, sogar mit jedem Interview. Das ist insofern erstaunlich, als Handke nie den Versuch unternommen hat, Allianzen auch nur mit Teilen der ihn wahrnehmenden Öffentlichkeit einzugehen. Er war nie Wortführer, Sympathieträger, nie ein Meister der öffentlichen Rede, des geistreichen Kommentars, des launigen Bonmots. Seine Texte haben, bei aller Klarheit der Sprache, etwas Entrücktes, etwas Suchendes, nie ganz in der Gegenwart verankertes. Äußert er sich doch einmal zu politischen Ereignissen, was er vor allem angesichts der Balkankriege in den neunziger Jahren getan hat, sorgt er für Verwirrung, für Missverständnisse, reagiert beleidigt und teilt Beleidigungen aus. Es scheint, als sprächen der Dichter und die Öffentlichkeit verschiedene Sprachen. Während Handke allerdings gar nicht erst den Versuch unternimmt, verständlicher zu werden – das heißt, der Öffentlichkeit einen Schritt entgegen zu gehen, rückt diese Öffentlichkeit (repräsentiert vor allem durch die Medien) beharrlich nicht von ihm ab und versucht stattdessen immer wieder, sich seiner Unberechenbarkeit anzupassen. Anders gesagt: jede Rezension eines Handke-Buchs, jede Kritik eines seiner Stücke, jedes Interview mit ihm gleicht einem Verstehenwollen. Man möchte sogar sagen: nicht der Autor buhlt um die Liebe der Kritik, sondern die Kritiker wollen sich die Liebe des Autors erschreiben und ersprechen. Und sie werden sie nie bekommen. Das nennt man Lustschmerz. Auf diese Weise kommt man gemeinsam in die Jahre.
Lektoren und Verleger haben natürlich ein engeres Verhältnis zum Schriftsteller als Kritiker. Literaturbetriebliche Beziehungsgeschichten mit Peter Handke haben mit Schmerz, Demütigung und menschlicher Enttäuschung zu tun, Siegfried Unseld konnte, Raimund Fellinger und Jochen Jung können ein Lied davon singen. Letzterer hat in seinem kürzlich erschienenen Buch Zwischen Ohlsdorf und Chaville diesen Lustschmerz im Umgang mit Peter Handke beschrieben, den man aus der Arbeitsbeziehung herauslösen und über die Beziehungsgeschichte zwischen Dichter und Öffentlichkeit legen kann. Auf Jungs Bemerkung hin, die von Handke nicht gerade geschätzten Bildungsbürger seien aber doch diejenigen, die seine Bücher kauften und läsen, empörte sich Handke, er, Jung, sei ein Schmarotzer, ein Nichts, ein Nutznießer, eine Zecke. Zuerst, schreibt Jung, sei er getroffen gewesen, später habe er Handkes Wutausbruch als Zurechtweisung gedeutet. Das heißt, der Beleidigte hat die Beleidigung akzeptiert und diese schließlich legitimiert. Sie ist ihm also erstens zurecht widerfahren und kann zweitens als eine Form des Liebesbeweises gedeutet werden. Man weist niemanden zurecht, wenn einem jemand gleichgültig oder verhasst ist.
Liebesflehen und Liebesentzug sind die Konstanten der Handke-Rezeption im deutschsprachigen Raum, man muss es so pathetisch sagen. Schon als der noch wenig bekannte Jungautor 1967 in Princeton die älteren Herren der Gruppe 74 vorführte – denen es an Eitelkeit und Selbstbewusstsein wahrlich nicht mangelte – hatte das bei manchen von ihnen ein Liebeswerben zu Folge. Milo Dor hat darüber berichtet. Handkes frühe Theaterstücke, angefangen mit der Publikumsbeschimpfung, waren Form- und Sprachexperimente, mehr noch aber drehten sie das Machtverhältnis zwischen Dichter und Öffentlichkeit um. Der Dichter sagte dem Publikum: ich akzeptiere Euch nicht, bzw. ich akzeptiere Euch unter meinen Bedingungen. Und das Publikum spielte mit – hier muss man mit Jochen Jung allerdings sagen: ein bildungsbürgerliches, urbanes Publikum. Ein Publikum, das sich, wie im Liebesspiel, auf den Rollentausch einlassen kann, das sich, für Augenblicke jedenfalls, den Launen des Dichters lustvoll hingibt. Bei aller Selbstinszenierung als einfacher Landmann, Wanderer und Pilzsammler ist Handke nie ein Autor für ein breites Publikum gewesen, der mit seinem Schreiben quer durch alle sozialen Schichten angekommen wäre. Dort, wo er sich gern hinstellt, bei den einfachen Leuten, ist er ein Fremdling, weil sie ebenso wenig existieren wie das von ihm immer wieder herbeigeschriebene Neunte Land, dieser südslawische Sehnsuchtsort, in dem er so gern verwurzelt wäre (es aber doch nicht ist). Hier ist Handke das Opfer einer unerwiderten Liebe, denn der Mythos antwortet nicht. Da nützt es nichts, sich als Idiot empfänglich machen zu wollen für die tieferen Schichten der Wirklichkeit – einer Wirklichkeit, die mehrfach überschrieben ist von Fälschern und Betrüger aus Politik und Medien. Der Idiot ist bei Handke der Gegensatz zum normalen, also genormten Menschen. Er sieht und hört, was andere nicht (mehr) sehen und hören. Das Gefühl, ein Idiot werden zu müssen, um die Freuden der Kindheit wiederempfinden zu können, heißt es in einem Tagebucheintrag. Dieser von Handke immer wieder geäußerte Rückzug auf die Position des Idioten, der ja nicht politisch agieren kann, weil er die Politik als Oberflächenphänomen nicht zur Kenntnis nimmt, ist wohl diese Bruchstelle zwischen ihm und der Öffentlichkeit. Der Idiot will mit dem Mythos verschmelzen, doch das ist ein geradezu Don-Quichotehaftes Unterfangen – und die Ursache für das Unverständnis, das ihm vor allem in seiner als politisch missverstandenen Auseinandersetzung mit Serbien von den Medien – vor allem von den deutschen Medien – entgegengebracht wurde. Idiotie, auch im Handkeschen Sinne, ist keine objektive Kategorie. Der Idiot hat Recht, weil er ein Recht auf seine Wahrheit hat. Er muss sie nicht verteidigen. Das passt nicht so gut zur protestantischen Ethik, weshalb die Handke-Kritik in Deutschland nicht zu vergleichen ist mit jener im katholischen Österreich, wo man dem Träumer das Recht auf seinen Traum nicht abspricht.
Handkes Gerechtigkeit für Serbien von 1996 und seinen darauf folgenden Texten und Wortmeldungen wurde in Deutschland eine politische Stoßrichtung unterstellt, die diese schlicht nicht enthalten. Handkes Serbien war nie das Land der postkommunistischen Nationalisten um Slobodan Milošević. So wie Jugoslawien als das Neunte Land wenig zu tun hatte mit dem unter Tito zusammengefügten und wohl auch zusammengezwungenen Staatengebilde. Serbien und Jugoslawien sind bei ihm keine nationalen Entitäten, sie sind Mythen, die der Idiot als Herkunftsparadies deutet. Es ist, als ob der Erwachsene in den Leib der Mutter zurückkehren möchte. Auch das scheint man in Österreich besser zu verstehen als in Deutschland. Diese für manchen zweifelhafte, an sich jedoch unantastbare Haltung hat zur Zeit der NATO-Angriffe auf Serbien und einer medial wie politisch weitgehend eindeutig vermittelten Täter-Opfer-Theorie aus Handke einen Paria gemacht. In Deutschland jedenfalls. Angesichts seines literarischen Eintretens für Serbien und seiner Weigerung, Serbien als Synonym für eine politisch agierende Elite zu begreifen, versagten die Medien auf der ganzen Linie, weil sie plötzlich und grundlos den Dichter zum politischen Kommentator erniedrigten. Nun war Handke nicht mehr nur ein Fall für die Literaturkritik, sondern für die Chefredakteure, Starkolumnisten und in weiterer Folge für Politiker aller Couleur, die aus dem Dichter, je nach Erregungsgrad, einen glühenden Nationalisten, einen unwissenden Volldeppen, einen alternden Provokateur, einen Diktatorenversteher und sogar einen Relativierer des Holocaust machten. Und Handke, wie es nun einmal seine Art ist, ließ sich nicht abbringen von seinem Recht, Recht zu haben.
Damals, in den neunziger Jahren, schien es, als wäre die deutsche Öffentlichkeit fertig mit dem Dichter, und in der Tat fragte man sich, wie er da wieder herauskommt, wie er auch nur einen Text würde veröffentlichen können, ohne Häme zu ernten. Handke unternahm nichts, um den Bruch zu kitten. Ein wenig gekränkt kündigte er wohl an, in Zukunft die Öffentlichkeit zu meiden, aber es kam dann doch anders. Er schrieb und veröffentlichte mehr als je zuvor, bekam Preise und Ehrendoktorate verliehen, ließ die verhassten Medien an sich heran. Er wurde siebzig und er wurde gefeiert. Es war die Öffentlichkeit, die sich ihm annäherte, Journalisten, Politiker, Exegeten, die sich von ihm, wenn es sein musste, weiterhin zurechtweisen ließen. Ein wenig erinnert das an eine lange Ehe. Jeder Krach ist das Ende, jedes Ende macht versöhnlich, weil man ungern hinter das Ende schaut. Hinaus böse Geister, schrieb Handke 2007 versöhnlich und doch auch beharrlich. Verlasst endlich die Sprache. Lernen wir die Kunst des Fragens, reisen wir ins sonore Land, im Namen Jugoslawiens, im Namen eines anderen Europas. Es lebe Europa. Es lebe Jugoslawien. Wer wollte dem widersprechen?

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